Kommunikationsbeziehungen - Ab welcher Team-Größe arbeiten Teams nicht mehr effizient?

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Jahresendspurt: Die Projekte werden nicht weniger und noch schnell werden zusätzliche Abgaben reingedrückt. Teams knappen mit der Menge an Aufgaben und schreien nach zusätzlichen Ressourcen. Eine Lösung, die hier oft gewählt wird, mehr Menschen ins Team, um die Aufgaben gelöst zu bekommen. Rechnerisch müssten ja 6 Menschen mehr schaffen als 3, gar in der Hälfte der Zeit fertig werden. Funktioniert nur leider selten.

Bei einigen Programmier-Teams, mit denen ich in Agenturen zusammengearbeitet habe, habe ich dazu folgenden Spruch an Wänden kleben sehen: „Projektmanager denken auch ein Baby könne man durch 9 Mütter in einem Monat zur Welt bringen.“ Das sagt so ziemlich genau das, was in der dann doch eher wissenschaftlich daher kommenden Formel zur Berechnung der Kommunikationsbeziehungen berechnet werden kann. Schon ab 6 Teammitgliedern steigen die Kommunikationsbeziehungen auf 15, bei 10 Teammitglieder sind es gar schon 45 Beziehungen. Die Folge, es braucht viel mehr Abstimmungen, Meetings, mehr Informationen.

Das kann man sogar auch mal durchrechnen: Man nehme an, eine Kommunikationsbeziehung erfordert 10-15 min täglichen Aufwand. Dann landen wir bei einem Team von 6 Personen bereits bei 1,5 h Aufwand pro Tag pro Team.

Hinzu kommt, dass Kommunikation bei größeren Team nicht mehr eben so passiert, sondern muss durch Projektmanagement-Rollen oder Hierachie organisiert werden. Das heißt der Output durch den Einsatz von mehr Ressourcen aka Teammitgliedern verpufft eigentlich für alle, da einfach viel mehr Abstimmungszeit drauf geht. Denn diese Kommunikation ist keine eigentliche Arbeit (außer für Organisationsberater ;).

Wird Kommunikation jedoch strukturell reduziert, geht das auf Kosten von Begeisterung und Identifikation. Dann fehlt das „menschelnde" im Projekt und Flow stellt sich nicht ein. Deswegen macht es tatsächlich Sinn, eine Teamgröße von 6-7 nicht zu überschreiten. Wenn wir nun aber in strategisch-kreativen Prozessen arbeiten, wird der Austausch zur Arbeit und Kommunikation kann hier wieder effizient genutzt werden. Jedoch gilt auch hier, werden es mehr als 6-7 Menschen, ist z.B. ein Output-orientierter Startegie-Workshop nicht mehr effizient. Deswegen ist hier dann auch immer eine Gruppenteilung ratsam.

Brook's Law

Gerade bei IT-Projekten lohnt auch ein Blick auf Brook’s Law (Frederik Brook, IBM 1975). Denn oft genug werden bei zeitkritischen IT-Projekten zum Ende hin zusätzliche Ressourcen auf ein Projekt gekippt, in der Hoffnung alles ginge dann schneller. Was jedoch gut gemeint ist und in vielen Unternehmen mit technischen Projekten noch immer Praxis ist, geht so gut wie immer nach hinten los. 

„Adding manpower to a late software project makes it later.“ 

Brook benennt dafür 3 Gründe: 

  1. Einführung neuer Mitarbeiter bedeute Einarbeitungszeit für die bestehenden Mitarbeiter
  2. Erhöhter Koordinierungsaufwand entsprechend der Kommunikationsbeziehungen
  3. Die Endlichkeit von Inkrementellen Arbeiten. Sind Aufgaben bereits in Unterpakte geteilt, macht es manchmal kein Sinn, sie noch kleinteiliger zu machen. Das Zusammenführen würde dann mehr Aufwand bedeuten, als hätte eine Person die Aufgabe gelöst. 

In extrem agilen Teams hat sich jedoch gezeigt, dass Arbeiten schneller erledigt werden, wenn diese immer im Team von zwei Personen erledigt werden. Extreme Programming ist ja hierbei allzeit bekannt.  Die höchste Effizienz in Kommunikationsbeziehungen hat auch laut Formel ein Zweier-Team. Bei besonders effizienten Teams hat sich das Zweier-Prinzip ebenfalls durchgesetzt. Hier gibt es spannende Untersuchungen im Kontext von Einführung von agilen Prozessen.

Und zum Schluss ein platter Spruch frei nach mir: 

Daher bildet Banden und arbeitet zusammen, jedoch nicht zu Hauf! Und lasset das Team kurz vor Ende des Projektes in Ruhe ihre Arbeit machen.